Über Karate

Karate ist eine japanische Kampfkunst, die sich hauptsächlich durch waffenlose Techniken auszeichnet. Dabei liegt der Schwerpunkt bei Schlägen, Stößen, Tritten und Blocktechniken. Ferner werden auch Hebel, Würfe und der Angriff auf Nervenpunkte trainiert.

Der Legend nach begann die Entwicklung des Karates mit einem indischen Mönch namens Bodhidharma (im Japanischen oft Daruma genannt), der im fünften Jahrhundert nach Christus im Tempel Shaolin-Si in China die Lehren des Buddha verbreitete. Seine Lehren beinhalteten eine große Vielfalt an Leibesübungen, die Körper und Geist für die Meditation stärkten. Diese sind die Wurzeln des Shaolin-Kung-Fu und der Ursprung der meisten chinesischen Kampfkünste.

Die Entwicklung des Karates fand hauptsächlich auf Okinawa, der Hauptinsel der Ryuku-Inselkette, statt und geht bis in das 14. Jahrhundert zurück. Diese Inselkette liegt ca. 740 km östlich des chinesischen Festlandes, ca. 550 km südlich der japanischen Hauptinsel und nördlich der Insel Taiwan. Durch die geographisch einzigartige Lage war die Insel ein wichtiger Verkehrsknoten für den Handel im gesamten südasiatischen und pazifischen Raum. Dadurch hatte sie eine große strategische und militärische Bedeutung. Die verschiedenen Einflüsse aus China und Japan vermischten sich schnell mit der dort ansässigen Kultur.

Die größtenteils bäuerlich geprägte Urbevölkerung Okinawas hatte in ihrer Geschichte wiederholt mit Invasoren zu kämpfen, die teilweise Terrorregime errichten konnten, die die Bevölkerung massiv unterdrückten. Aus Angst vor Aufständen war es den Einwohnern von Okinawa bei Todesstrafe verboten, Waffen zu tragen. Die Insel selbst war wegen ihrer ausgeprägten Topographie von der Ordnungsmacht schwer zu kontrollieren. Der aus Landwirtschaft und Handel entstandene Reichtum zog auch noch Räuber und Plünderer an. In diesem Klima der Unterdrückung und ungewissen Sicherheitslage sahen sich unbewaffnete Bauern mit Berufskriegern wie den Samurai und Räubern konfrontiert.

Die okinawanische Kampfkunst „Te“ vermischte sich mit den eingewanderten chinesischen Kampfkünsten zu einer der effizientesten, waffenlosen Kampfkünste der Welt, welche „Tode“ (chinesische Hand) bzw. „Okinawa-Te“ (okinawanische Hand) genannt wurde. Zur Verteidigung gegen bewaffnete Angreifer wurden alltägliche Gebrauchsgegenstände zu tödlichen Waffen umfunktioniert (siehe „Waffen des Yoshukai“). Die Kampfkunst an sich wurde schnell verboten, daher wurde sie lange nur im Geheimen gelehrt. Das Wissen wurde nur an ausgewählte Schüler weitergegeben, oft beschränkte sich die Verbreitung der Kampfkunst nur auf die eigene Familie.

Die ursprünglichen Karateformen entwickelten sich hauptsächlich in drei okinawanischen Städten: Shuri, Naha und Tomari. In jeder dieser Siedlungen wurde die Kunst von Gruppen unterschiedlicher gesellschaftlicher Klassen ausgeübt: König und adlige Oberschicht, Geschäftsleute und Händler, Bauern und Fischer. Diese Gruppen hatten jeweils unterschiedliche Formen der Selbstverteidigung, was nicht zuletzt auf ihren unterschiedlichen Alltag zurückzuführen ist. Diese Formen wurden unter den Begriffen „Shuri-Te“, „Naha-Te“ und „Tomari-Te“ bekannt und insgesamt als „Okinawa-Te“ oder „Tode“ bezeichnet.

Im Laufe der Zeit ging man dazu über, die verschieden Karateschulen in zwei Hauptgruppen einzuteilen:

- Shorin-Ryu (schnell, linear, direkt und mit natürlicher Atmung ) entwickelte sich in den Regionen Shuri und Tomari

- Shorei-Ryu (neigt zu statischen, festen Ständen, verwurzelten Bewegungen mit synchroner Atmung bei jeder Bewegung), welches sich in der Naha-Region entwickelte.

Das Schriftzeichen, das für „Tode“ benutzt wurde, konnte man auch als „Kara“ aussprechen. So wurde die Kampfkunst Anfang des letzten Jahrhunderts von den okinawanischen Meistern „Kara-Te-Jutsu“ (Kunst der chinesischen Hand) genannt. Gichin Funakoshi änderte diesen Begriff in „Karate-Do“, wobei er sich auf die alternative Bedeutung von Kara als „Leere“ festlegte. „Do" bedeutet Weg und impliziert die Disziplin und Philosophie des Karates mit moralischem und spirituellem Hintergrund.